Die richtigen Rahmenbedingungen lassen auf sich warten
Nick, die rechte Hand von Bundesminister Cem Özdemir sieht "großes Potential" in neuen Technologien auf dem Acker. "Wir haben ja unsere Experimentierfelder", schwärmt sie und meint damit insgesamt 14 Projekte, bei denen neue Techniken und Methoden in der Landwirtschaft erprobt werden sollen. Dass diese digitalen Experimente bereits in der Zeit der Vorgängerregierung unter Ministerin Klöckner starteten, erwähnt sie nicht.
Doch wie wird aus jahrelangen Experimenten reale Praxis? Politik müsse erst einmal die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, betont Nick in ihrer Rede. Sätze, die gut klingen, in einer Zeit, in der das Thema Künstliche Intelligenz und ChatGPT in den Medien omnipräsent ist. Eine Woche zuvor baten bereits der ChatGPT-Erfinder Sam Altmann und Tech-Giganten wie IBM vor dem US-Kongress um Regulierung. Ein ungewohnter Vorgang, aber nötig, um die Risiken von KI einzudämmen, so der fast einhellige Appel der Technologie-Branche und Forschung in den USA.
Was konkret geplant ist bleibt im Verborgenen
Hier sei das Sache der EU, weist die Staatssekretärin die Verantwortung nach Brüssel. Wer einen Blick in das Papier des EU-Parlaments mit der Nummer 2021/0106 (COD) wirft, entdeckt die Landwirtschaft in einer Aufzählung wichtiger Wirtschaftsfelder, in der der Einsatz Künstlicher Intelligenz gravierende Auswirkungen haben wird. Doch um die speziellen Herausforderungen selbstlernender Algorithmen in der Landwirtschaft oder Ernährung geht es in dem Dokument leider nicht. Was konkret geplant ist und wann es umgesetzt werden soll, bleibt im Verborgenen.
Lange hat die deutsche Politik das Thema KI in der Land- und Lebensmittelwirtschaft ignoriert. Auch die große KI-Enquete-Kommission des Bundestages beschäftigte sich nicht damit. Die Förderbescheide, die die Kollegin von Nick, Staatssekretärin Claudia Bauer, im Mai stolz in die Kamera halten durfte helfen da leider auch nicht viel weiter. Über 250.000 Euro im Jahr dürfen sich drei deutsche Initiativen in den nächsten fünf Jahren freuen.
Wissen zu vermitteln wird nicht gefördert
Zum Vergleich: Allein das israelische KI-Startup Beewise, das Bienenstöcke mit Künstlicher Intelligenz und Robotik ausstattet, durfte sich im letzten Jahr über 75 Mio. € an Investitionen freuen. In Zeiten, in denen selbst Tech-Giganten wie Alphabet mit einem Forschungsetat von 50 Millarden ins KI-getriebene AG-Tech Geschäft einsteigen, sehen die Beträge aus dem BMEL mehr als dürftig aus. Für den Aufbau schlagkräftiger Forschungsumgebungen, Rechenkapazitäten und tragfähiger Datenwolken wird es bei weitem nicht reichen.