»Tierhaltung gehört zu einer Landwirtschaft, die nachhaltig im Kreislauf funktionieren soll.«
Sie werden auch der »Wurstsack« genannt, denn Sie haben ein Buch über die neue Fleischkultur geschrieben (»Crafted Meat: Die neue Fleischkultur: Rezepte, Handwerk und Genuss«) und sogar eine eigene Metzgerei eröffnet (»Kumpel & Keule«). Doch ist Fleischkonsum im Angesicht der sich verschärfenden Ressourcenknappheit infolge der Klimakrise, der Corona-Pandemie sowie aktuell des Kriegs in der Ukraine überhaupt noch tragbar?
68 Prozent der weltweiten Agrarflächen sind Grasland, das sich nicht so einfach umpflügen lässt, da es für den Ackerbau nicht taugt. Noch schlimmer, durch ihren Umbruch würde ein großer CO2 Speicher zerstört. Diese Flächen sind nachhaltig nur durch Wiederkäuer nutzbar, die für uns Unverdauliches (Gras) in wertvolle Lebensmittel (Milch, Fleisch) verwandeln. In der Land- und Lebensmittelwirtschaft entstehen weiterhin Nebenprodukte, die nur durch Tiere nutzbar sind. Ein Liter Hafermilch führt zu der dreifachen Menge an organischen Überresten, die als Tierfutter ihre Verwertung finden. Tierhaltung gehört also zu einer Landwirtschaft, die nachhaltig im Kreislauf funktionieren soll.
Diese Argumente dürfen aber nicht für eine Weiterführung bestehender Verhältnisse gelesen werden. Die Tierhaltung ist global zu stark gewachsen und muss zu einem gesunden Maß zurückfinden.
Mein Buch »Crafted Meat« wie auch die von mir mitgegründete Metzgerei stellen dazu Entwürfe für Gegenmodelle dar. Entwürfe für eine Welt in der »weniger aber besser« beim Fleisch möglich wird.
Können wir die Welt retten, indem wir anders essen?
Der Lebensmittelsektor ist für rund 37 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Selbst wenn wir alle Bereiche unserer Lebenswelt »auf grün« schalten, wird es nicht reichen. Wir müssen also anders essen, um die Welt zu retten. Anders geht es nicht.